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17.04.2015 Kunst im Gefängnis //Goethe-Institut

Das Goethe-Institut hat sich für unsere Konzerte hinter Gittern interessiert und ein Interview mit Dan gemacht. Seine Antworten wurden zum Teil in einen sehr netten Artikel umgesetzt.

Über diesen Links gelangst Du zum Artikel des Goethe-Instituts.

Und hier nun das Interview:

GI: … und wie oft treten Sie in Gefängnissen auf? In welchen waren Sie schon?

Dan: Wir treten seit einigen Jahren bereits, meist einmal jährlich, in einer JVA, auf. Wir waren bereits in den JVAs Attendorn, zweimal in Duisburg-Dinslaken und in Remscheid. Organisiert werden die Konzerte durch den Verein Kultur hinter Mauern e.V. Jedoch sind wir auch schon durch einen selbst organisierten Termin zum Sommerfest der JVA Remscheid direkt durch die Insassen gebucht worden. Das hat uns sehr gefreut!

GI: Wie kamen Sie auf die Idee, im Gefängnis aufzutreten?

Dan: Der Verein Kultur hinter Mauern hat uns dazu inspiriert. Herr Neumicke vom Verein rief mich eines Tagen an und erklärte mir die Arbeit des Vereins. Da wir ohnehin gerne sinnvolle Projekte unterstützen und Herausforderungen lieben, gab es für uns nicht viel zu überlegen. Wir sagten spontan zu und so wurde daraus mittlerweile fast schon eine Institution für uns.

GI: Wie bereiten Sie sich besonders auf diese Auftritte vor?

Dan: Wir denken an das Mitführen unserer Personalausweise (meistens jedenfalls) und an das Nicht-Mitführen von waffenähnlichen Gegenständen. 😉 Außerdem planen wir deutlich mehr Zeit für die Vorbereitung vor Ort ein. Bei normalen Konzerten kommen wir beim Veranstalter an, bauen unsere Technik auf, machen einen Soundcheck und sind bereit. In JVAs werden wir vorher bei Ankunft erstmal kontrolliert, teilweise durchleuchtet, da das technische Equipment in Kisten verpackt ist. Das dauert alleine schon mal eine gute halbe Stunde.

Ansonsten bereiten wir uns nicht besonders auf auf das Konzert vor, da es für uns keinen Unterschied macht, vor welchem Publikum wir spielen.

GI: Wie läuft dann so ein Auftritt ab? Was ist anders im Gegensatz zu einem „normalen“ Auftritt?

Dan: Das Konzert verläuft sehr unterschiedlich, da wir uns gerne auf das Publikum einlassen. Es gibt beispielsweise große Unterschiede zwischen männlichem und weiblichen Publikum. Männer sind generell viel zurückhaltender, während die Frauen im Knast schon mal auf den Stühlen stehen, mitsingen (teilweise so laut, dass wir uns selbst nicht mehr hören) und zwischen den Stuhlreihen miteinander tanzen. Wir haben jedoch auch bei den Männern schon sehr interessante Reaktionen sehen können, die den „harten Knastbruder“ ganz anders zeigten.
Meines Erachtens lässt sich ein Unterschied zwischen diesen und „normalen“ Konzerten nicht genau erklären. Das liegt daran, dass jeder Auftritt anders ist. Konzerte laufen anders als Straßenfeste, Geburtstage anders als Firmenfeiern oder Hochzeiten. Wirklich anders sind die Gespräche nach dem Konzert. Da ist oft großes Interesse am Austausch zu erkennen.

GI: Wie fühlt es sich an? Dieser Aspekt interessiert mich besonders.

Dan: Das ist tatsächlich ein interessanter Aspekt, denn jeder trägt ja ein Paket der Verurteilung und Vorurteile mit sich herum, auch wenn uns das nicht bewusst ist oder wir es nicht wahrhaben wollen. Während eines Konzertes bekommen solche Gedanken schon mal ihre eigene Dynamik und man denkt z.B. „Mensch, die sind doch alle total nett und offen. Warum sitzen die hier ein?“ oder „Oh! Dem da würde ich aber nicht gerne in einer dunklen Straße begegnen.“ Solche Gedanken hatte ich in einem öffentlichen Konzert noch nie. :))
Aus den netten Gedanken und den bereits erwähnten Gesprächen nach dem Konzert ergab sich einmal eine lustige Begebenheit. Unsere ehemalige Sängerin fragte nach einem Konzert einen interessierten, netten Insassen ganz vorbehaltlos, wieso er denn einsäße. Er druckste ein wenig herum und antwortete kurz: „Tötung“. Sie wurde kreidebleich, da sie mit einer solchen Antwort offensichtlich nicht gerechnet hatte.

Die Atmosphäre in den Gefängnissen finde ich sehr bedrückend. Es ist alles sehr eng und kalt. Die Zellen sind extrem klein und ich war erschreckt, als ich erfahren habe, dass die meisten Insassen nur eine Stunde am Tag ihre Zelle verlassen. 23 Stunden sitzen sie in einem Kokon und beschäftigen sich mit den wenigen Dingen, die dort möglich sind.

Das ist vielleicht die Essenz aus diesen Erfahrungen: Die Insassen sind teils nette oder sogar liebenswerte Menschen, die durch Entscheidungen in einer oft krassen Vergangenheit mehr oder weniger lange Zeit dort verbringen müssen. Aber anders im Umgang als freie Menschen sind sie nicht.

Um die konkrete Frage zu beantworten: Es fühlt sich gut an. Ich habe Dinge erfahren, die sonst hinter verschlossenen Türen geblieben wären.

02. Juni 2008

Stimmrecht im Radio (Niederlande)

Zur Einstimmung auf das Vokal-Festival “AmuSING Hengelo” lief am 02. Juni 2008 eine Sendung über besagtes Festival. Als Band wurden unter anderem wir genannt und gespielt, was uns sehr freut und ehrt.

Für Interessierte und Niederländisch-Versteher hier das ganze Interview (Unsere Erwähnung beginnt bei ca. 2:40): 

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